Im Jahr 1998 wurde die Geschäftsführung der Energiewerke Nord GmbH von ihrem Gesellschafter beauftragt, ausgewiesene Grundstücksflächen, die für Stilllegung und Abbau der Kernkraftwerke nicht mehr benötigt werden, an geeignete Investoren zur Industrieansiedlung zu veräußern. Dem ging der übereinstimmende Wille von Bundesregierung und Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern sowie der Regionalen Raumplanung voraus. Die Regionale Raumplanung schreibt den Erhalt des Industriestandortes Lubmin fest und damit die Entstehung von Arbeitsplätzen in der Region.
Ein seit September 2004 verbindlicher B-Plan sorgt für Planungssicherheit. Diese ist umso bedeutsamer, da sich die am Standort ausgewiesene ca. 120 ha große Industrie- und Gewerbefläche in unmittelbarer Nähe eines Europäischen Vogelschutzgebietes befindet. Teile des Greifswalder Boddens sind als FFH-Gebiet ausgewiesenen, d.h. sie sind Schutzgebiete entsprechend der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Im B-Plan-Verfahren wurden alle sich aus der typischen Nutzung ergebenden naturschutzrechtlichen Beeinträchtigungen und Belastungen bewertet und deren Ausgleich gesichert.
Die vorhandene Infrastruktur und die nutzbaren Serviceleistungen machen den Industriestandort "Lubminer Heide" interessant für verschiedene Unternehmen, wie z.B. aus den Bereichen Energietechnik und Stahlbau.
Zeitgleich mit dem Verkauf der ersten Grundstücke für den Bau von Gaskraftwerken begann 1998 die Standortsanierung durch ABM/SAM-Kräfte, die auch gegenwärtig Arbeiten zum Abbruch von Gebäuden am Standort durchführen. Unternehmen, die als Ausgründungen aus dem ehemaligen KKW entststanden sind, pachten oder erwerben Grundstücke und Hallen, wie die Firma IRB ISO-Rüst-Bau GmbH.
2004 wurde auf einer Pachtfläche am Einlaufkanal durch die Firma BP Solar eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 1,66 MWpeak errichtet und in Betrieb genommen.
Die Produktion von Bioöl/Biodiesel aus Rapssamen begann am Standort Lubmin im Jahr 2005. Diese Anlage wird zur Zeit durch die Firma Lubmin Oils betrieben.
Mit dem Ausbau/Umbau des ehemaligen Auslaufkanals zu einem Industriehafen verfügt der Industriestandort seit dem Jahr 2006 über eine seeseitige Anbindung. Das Hafenbecken mit einer Länge von 890 m und einer Breite von 94 m (175 m am östlichen Ende als Wendebecken angelegt) ist für typische Ostseeschiffe mit einer Tragkraft von bis zu 3.250 dwt (dead weight tonnage) ausgelegt.
Am Tag der Einweihung des Hafens begann für das ehemalige Maschinenhaus ein zweites Leben. Es erfolgte der Umbau der fast einen Kilometer langen Halle des KKW-Maschinenhauses zu einer Produktionsstätte für Stahlbaufirmen.
Die Produktionsaufnahme der Firmen im und neben dem Maschinenhaus erfolgte 2007. Am Standort wurden durch die Firma Modul- und Anlagenbau Lubmin GmbH Großkomponenten für den Schiffbau und durch die Firma Liebherr-MCCtec Rostock GmbH große Krananlagen gefertigt. Der qualitätsgerechten Korrosionsschutz kann dabei durch die Firma Lubminer Korrosionsschutz GmbH in drei neuen Halle neben dem Maschinenhaus erfolgen.
Die Einweihung der Marina Lubmin 2006, ihre stetige Auslastung und Beliebtheit dienen als Beispiel dafür, dass Industrie und Tourismus vereinbar sind. Am Hafen ist 2006 ein Stützpunkt der Bundespolizei (Zoll) eingerichtet worden.