Am Standort des Kernkraftwerkes Bohunice im Westen der Slowakei befinden sich zwei Kernkraftwerke (V1 und V2) mit insgesamt vier Druckwasserreaktoren, zwei vom Typ WWER-440/230 in der Anlage V1 und zwei vom Typ WWER-440/213 in der Anlage V2. Im Rahmen ihres Beitritts zur Europäischen Union verpflichtete sich die Slowakische Republik 1999, die zwei Reaktorblöcke der Kernkraftwerksanlage Bohunice V1 stillzulegen. Die endgültige Abschaltung der beiden Reaktoren erfolgte in den Jahren 2006 (Block 1) und 2008 (Block 2). Die praktischen Rückbaumaßnahmen sollen 2012 beginnen.
Die Vorbereitung der praktischen Stilllegung wird seit 2003 durch einen Internationalen Stilllegungsfond (BIDSF) mitfinanziert, der durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) verwaltet wird. Zu den Projekten, die durch den BIDSF unterstützt werden, gehören neben Investitionsprojekten, z.B. in Anlagen zur Behandlung radioaktiver Materialien, auch solche für die Erstellung von Genehmigungsunterlagen zur Stilllegung sowie Projekte zur Anpassung des Kraftwerks V1 an den Rückbau.
Die EWN GmbH hat zwei Projekte aus dem Bereich „Genehmigungen" als Konsortialführer gemeinsam mit einem slowakischen Partner erfolgreich abgeschlossen: die Konzeptplanung für die Stilllegung im Jahr 2006 und im Jahr 2007 die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die Stilllegung.
Im Rahmen des ersten Projektes wurden vier verschiedene Rückbaustrategien, mit und ohne sicheren Einschluss, analysiert. Im Ergebnis dieser Untersuchung wurde der sofortige Abbau als Stilllegungsstrategie vorgeschlagen. Im dann folgenden Projekt wurden die Auswirkungen der vier analysierten Strategien auf die Umwelt ausgewertet, mit dem Ergebnis, dass prinzipiell alle umweltverträglich sind. Basierend auf diesen Analysen hat sich die zuständige slowakische Aufsichtsbehörde für den sofortigen Rückbau des Kernkraftwerks V1 entschieden.
Von Mai 2008 bis Oktober 2010 hat die EWN GmbH als Konsortialführer gemeinsam mit zwei slowakischen Partnern ein weiteres Projekt durchgeführt, mit dem Ziel, eine umfassende physische und radiologische Inventarisierung der Anlage V1 vorzunehmen und eine Stilllegungsdatenbank für das Kernkraftwerk zu entwickeln. Die gesammelten Inventardaten werden nun für die Detailplanung des Rückbaus verwendet. Im Rahmen einer Projektverlängerung von April 2011 bis Februar 2012 wurden aktivierte Bauteile wie Reaktorbauteile, Betonstrukturen und das Schachtlager charakterisiert.
