Rückbau des Kernkraftwerkes Rheinsberg

Rückbau des Kernkraftwerkes Rheinsberg

Das Rückbauprojekt sieht den sofortigen schrittweisen Abbau der Kraftwerksanlage unter Nutzung der im Kernkraftwerk Rheinsberg (KKR) vorliegenden Erfahrungen in Instandhaltung und Rekonstruktion mit vorwiegend eigenem Personal vor.

Das heißt:

  • Abbau aller technischen Einrichtungen
  • Abbau kontaminierter Gebäudestrukturen
  • Abbruch der Gebäude nach Entlassung aus dem Atomgesetz
  • Beseitigung oder Verwertung der dabei anfallenden Abfälle und Reststoffe (Entsorgung).

Dem sofortigen Abbau der kerntechnischen Anlage wurde gegenüber einem möglichen Sicheren Einschluss der Vorrang gegeben, da die Bauwerksgestaltung (keine Containmentbauweise) einen zu hohen technischen und finanziellen Aufwand für einen Sicheren Einschluss erfordert, die vorhandenen funktionstüchtigen technischen Einrichtungen, z. B. Hebezeuge, bei einem späteren Abbau erneuert werden müssten und das erforderliche sachkundige und erfahrene Personal bei Abschaltung der Anlage vorhanden ist.

Anfang der neunziger Jahre wurden der Antrag zur Stilllegung und Abbau des KKW Rheinsberg erarbeitet, eine Kosten- und Zeitschätzung aller notwenigen Arbeiten erstellt und mit dem Gesellschafter abgestimmt.

Im April 1995 erteilte die zuständige atomrechtliche Aufsichtsbehörde des Landes Brandenburg die Genehmigung für die Stilllegung und den Teilabbau des Kernkraftwerkes Rheinsberg. Unmittelbar danach erfolgte der Beginn des Rückbaus der kerntechnischen Anlage.

Ablauf der Stilllegung und des Abbaus

Nachbetrieb 1991 – 2001

Während des Nachbetriebes, der den Zeitraum zwischen der Einstellung des Leistungsbetriebes, d. h. der Elektroenergieerzeugung und der Entfernung des Brennstoffes aus der Kraftwerksanlage umfasst, werden die Voraussetzungen für den Abbau geschaffen.

Rest- bzw. Demontagebetrieb ab 2001

In dem nach Abtransport des Brennstoffes verbleibenden Zeitraum des Rest- bzw. Demontagebetriebes werden Einrichtungen der Infrastruktur betrieben, die für die Erhaltung des Standortes bis zum Ende des Abbaus erforderlich sind.

Abbau-Etappen beginnend 1995 bis zum Abschluss des Projektes 2025

Es folgte eine Aufteilung in acht Abbauetappen, um überschaubare Arbeitsabschnitte bezüglich der Erarbeitung der notwendigen Unterlagen, des Genehmigungsverfahrens sowie der praktischen Realisierung zu erhalten.

Die abzubauende Gesamtmasse des KKR beträgt ca. 342.000 Tonnen; davon sind ca. 63.000 Tonnen mit radioaktiven Stoffen belastet.

Alle Abbauetappen anzeigen

Im Rahmen der entsprechenden Genehmigungen wird nach folgenden Grundsätzen und zeitlicher Abfolge verfahren:

Abbau außerhalb des Kontrollbereiches (Etappe 1) ab 1995

Demontage der nicht mehr benötigten maschinentechnischen und elektrotechnischen Anlagen des Sekundärkreislaufes (Schwerpunkt Maschinenhaus) bei Erhaltung der Gebäudesubstanz einschließlich der Transport- und Versorgungseinrichtungen zur Nutzung beim weiteren Abbau des KKR

Abbau innerhalb des Kontrollbereiches (Etappe 2 - 6) ab 1996

Schrittweiser Abbau der Ausrüstungen, beginnend mit den geringkontaminierten Teilen über die hochkontaminierten/aktivierten Teile bis zum Reaktordruckbehälter. 

Herstellen der Abbruchbedingungen in den Hauptgebäuden (Etappe 7) ab 2009

Entkernen und Herstellen der radiologischen Bedingungen für einen späteren Abriss

Abbruch der Hauptgebäude sowie nicht mehr benötigter Infrastruktur (Etappe 8)

Entlassung aus der atomrechtlichen Überwachung und Abbruch von Gebäuden sowie nicht mehr benötigter Infrastruktur 

Wir setzen Maßstäbe.
Mit Sicherheit.
Ein Mann beim Schweißen

Aktuelle Arbeiten

Zurzeit laufen die letzen Arbeiten zur Beseitigung von Hot-Spots im Restbetriebssystem Spezial-Kanalisation.

Mit der deutlichen Senkung der Ortsdosisleistungen in diesen Bereichen ist eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen für das Personal bei der Demontage und Entsorgung der Rohrleitungs- und Anlagenteile erreicht worden.

Lager für feste und flüssige feste Abfälle

Lager für flüssige und feste radioaktive Abfälle

Beim Betrieb eines Kernkraftwerkes fallen radioaktiv belastete flüssige und feste Betriebsabfälle an. In der DDR stand zu Beginn der Nutzung der Kernenergie für diese Abfälle kein Endlager zur Verfügung. Aus diesem Grunde wurde im KKW Rheinsberg ein Endlager für radioaktive Betriebsabfälle, das Lagers für flüssige und feste Abfälle (ALfR), errichtet. Dort wurden neben den Abfällen aus dem KKR auch Abfälle aus dem KGR eingelagert.

Nachdem im Oktober 1998 die Entleerung des Lagers für flüssige und feste radioaktive Abfälle (ALfR) abgeschlossen war, begannen die Demontage von Ausrüstungen sowie der Abriss der ersten Gebäude (Betonmonolith und Altöllager) im Bereich des ALfR.

Wir setzen Maßstäbe.
Mit Sicherheit.

Entsorgung

Eine wichtige Voraussetzung für den Rückbau der kerntechnischen Anlage KKW Rheinsberg ist die Absicherung der kontinuierlichen Entsorgung aller beim Abbauprozess anfallenden Abfälle und Reststoffe.

Folgende Entsorgungswege wurden und werden genutzt:

  • Entsorgung der verbrauchten Brennelemente, die sich zum Zeitpunkt der Abschaltung am Standort befanden, in vier Transport- und Lagerbehälter Typ CASTOR® in das am Standort des KKW Greifswald errichtete Zwischenlager Nord (ZLN),
  • Transport der radioaktiven Betriebs- und Stilllegungsabfälle in das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) bis zur Schließung 1998, danach in das ZLN zur Weiterbehandlung bzw. zum späteren Transport in ein Endlager,
  • Nichtradioaktive Reststoffe und nach der Freimessung freigegebene Reststoffe werden in den Stoffkreislauf zurückgeführt oder bei Nichtverwertbarkeit als Abfälle deponiert.

Für jedes einzelne Teil werden die einzelnen Daten und der Entsorgungsweg lückenlos dokumentiert: Materialbeschaffenheit, Strahlungsintensität, Gewicht, Ort des Ausbaus, Art der Entsorgung.