Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet ESTRAL?

ESTRAL ist das Ersatztransportbehälterlager für die 74 Castor-Behälter aus Halle 8 des ZLN.

Warum wird das ESTRAL gebaut?

Die Sicherungsanforderungen für die Lagerung von Castor-Behältern sind nach 2011 erhöht worden. Alle in Deutschland bestehenden Zwischenlager für Castor-Behälter werden daher angepasst. Für uns resultiert daraus, dass wir neu bauen müssen. Wir planen deshalb, ein freistehendes Lagergebäude als Ersatztransportbehälterlager (ESTRAL) in unmittelbarer Nähe zum ZLN zu errichten.

Wo soll das ESTRAL gebaut werden?

Das ESTRAL wird auf dem Gelände der EWN GmbH in der Gemeinde Rubenow,  nordöstlich vom ZLN (Gemarkung Nonnendorf, Flur 1, Flurstück 58/34), errichtet.

Wann beginnt der Bau des ESTRAL?

Vor Baubeginn müssen zunächst eine atomrechtliche Genehmigung und eine Baugenehmigung erteilt werden. Beide Genehmigungen werden wir 2019 beantragen. Danach ist von einem circa dreijährigen Genehmigungsverfahren auszugehen, an das sich eine ebenfalls etwa dreijährige Bauphase anschließen wird. Demnach könnte das ESTRAL bei planmäßigem Verlauf ab Ende 2021 gebaut und Anfang 2025 in Betrieb genommen werden.

Was passiert mit den Castor-Behältern bis zur Umlagerung in das ESTRAL?

Die 74 Castor-Behälter, die momentan in Halle 8 des ZLN aufbewahrt werden, verbleiben dort, bis die Umlagerung in das ESTRAL erfolgen kann. Unter Berücksichtigung der veränderten Sicherheitslage haben wir für diese Übergangszeit eine Reihe von zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen in Halle 8 ergriffen, so dass der Schutz der Castor-Behälter auch gegenwärtig gewährleistet ist.

Kommen mehr Castor-Behälter nach Lubmin?

Nein. Der Lagerbereich im ESTRAL ist so ausgelegt, dass nur die bisher in Halle 8 des ZLN aufbewahrten 74 Castor-Behälter eingelagert werden können. Die Einlagerung weiterer Castor-Behälter oder eine Erhöhung des Inventars ist damit von vornherein ausgeschlossen. Aufgrund des Abklingverhaltens der Inventare während der bisherigen Lagerdauer liegen die Antragswerte für das Gesamt-Aktivitätsinventar und die Gesamt-Wärmeleistung unter den bisher für Halle 8 des ZLN genehmigten Werten.

Was passiert mit Halle 8 des ZLN – Wie wird sie nachgenutzt?

Nach Abschluss der Umlagerung aller Castor-Behälter soll die Halle 8 wie die Hallen 1-7 des ZLN für die Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen genutzt werden. Aufgrund des mehrjährigen Genehmigungsverfahrens und der Dauer für die Errichtung von ESTRAL wird die Umlagerung voraussichtlich bis 2026 dauern, so dass die Nachnutzung nicht vor 2027 möglich sein wird. Dafür ist dann eine Strahlenschutzgenehmigung erforderlich.

Wie lange ist die Lagerung im ESTRAL geplant?

Die Aufbewahrungsdauer für Castor-Behälter ist auf 40 Jahre ab Verschluss des jeweiligen Castor-Behälters beschränkt, so wie es nach aktuellem Regelwerk und derzeitiger Nachweisführung genehmigungsfähig ist. Von den 74 Castor-Behältern wurde der erste in 1996 verschlossen, der letzte in 2011. Wir beantragen eine 40-jährige Aufbewahrungsdauer je Castor-Behälter, beginnend mit dem jeweiligen Verschlussdatum.

Was passiert, wenn das Endlager nicht rechtzeitig zur Verfügung steht?

Die Standortsuche und die Errichtung eines Endlagers am festgelegten Standort ist Aufgabe des Bundes. Nach dem Standortauswahlgesetz (StandAG) soll bis 2031 der Standort feststehen, an dem das Endlager errichtet werden soll. Wann das Endlager dann tatsächlich verfügbar ist, kann zurzeit nicht sicher beurteilt werden. Damit kann eine zeitliche Lücke zwischen dem Ende der beantragten Aufbewahrungsdauer von 40 Jahren ab dem Verschluss des jeweiligen Behälters und der Inbetriebnahme eines Endlagers entstehen.

Auch die Entsorgungskommission (ESK) erkennt in den „Leitlinien für die trockene Zwischenlagerung bestrahlter Brennelemente und Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle in Behältern“, dass die bis zur Verfügbarkeit eines Endlagers konkret benötigte Lagerdauer zurzeit noch nicht benannt werden kann. Trotzdem zieht die ESK den bisherigen, allen in Deutschland erteilten Zwischenlagergenehmigungen zu Grunde liegenden Zeitraum von 40 Jahren als geeigneten Maßstab für die Nachweisführung im Genehmigungsverfahren heran. Hierbei können die für diesen Aufbewahrungszeitraum bereits vorliegenden Erkenntnisse berücksichtigt werden.

Für einen längeren Lagerzeitraum müssten neue Nachweise (Langzeitverhalten der Inventare und der Werkstoffe im Castor-Behälter) erbracht werden, die jetzt noch nicht vorliegen. Entsprechende Forschungsarbeiten laufen bereits, die Ergebnisse liegen aber noch nicht valide vor. Daher beantragen wir für ESTRAL eine Aufbewahrungsdauer von 40 Jahren, die nach aktuellem Regelwerk und derzeitiger Nachweisführung genehmigungsfähig ist.

Aus unserer Verpflichtung gegenüber den Bürgern stellen wir uns aber offen der Diskussion zu einer möglicherweise verlängerten Zwischenlagerung und werden uns auch an der Forschung zu einer verlängerten Zwischenlagerung beteiligen. Die Prüfung der Forschungsergebnisse ist dann Aufgabe der Genehmigungsbehörde.

Kann ein Castor-Behälter undicht werden?

Aufgrund der Langzeitbeständigkeit und der hohen Korrosionsresistenz der Deckeldichtungen ist das Auftreten einer Undichtheit an Castor-Behältern äußerst unwahrscheinlich. Bisher ist weder an den 74 Castor-Behältern in Halle 8 des ZLN noch an einem der mehr als 1200 in Deutschland zwischengelagerten Castor-Behälter ein Nachlassen der Dichtheit, weder am Primär- noch am Sekundärdeckel, aufgetreten. 

Sollte dennoch der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass das Doppeldeckeldichtsystem des Castor-Behälters repariert werden muss, gibt es ein bewährtes Reparaturkonzept, das geprüft und bundesweit für alle Castor-Zwischenlager, auch für Halle 8 des ZLN, genehmigt ist. Durch das Aufschweißen eines sogenannten Fügedeckels über das gesamte Deckelsystem kann - ohne Öffnen des Primärdeckels - das Doppeldeckeldichtsystem wiederhergestellt werden.

Ist im ESTRAL eine Heiße Zelle erforderlich?

Nein. Erst wenn die genehmigungsrechtlichen oder technischen Vorgaben für das Reparaturkonzept des Doppeldeckeldichtsystems in Deutschland grundlegend geändert würden und ein Öffnen des Primärdeckels möglich sein muss, wäre eine Heiße Zelle erforderlich. Diese ist daher nicht Gegenstand des Genehmigungsantrags für ESTRAL. 

Im ESTRAL haben wir jedoch einen Funktionsbereich ohne weitere technische Einrichtungen geplant. Für den hypothetischen Fall, dass sich die Rahmenbedingungen und Anforderungen an die Zwischenlagerung grundlegend ändern sollten, könnte hier gegebenenfalls später eine Heiße Zelle nachgerüstet und so ein größerer Um- oder Neubau vermieden werden. 

Welche Auswirkungen gibt es in der Bauphase von ESTRAL?

Die bau- und betriebsbedingten Auswirkungen von ESTRAL sind Gegenstand einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). In diesem Rahmen werden alle möglichen Auswirkungen auf die Umwelt, insbesondere Emissionen von Schall und Luftschadstoffen, beim Bau von ESTRAL sowie Emissionen radioaktiver Stoffe während des Betriebes von ESTRAL bewertet.

Die baubedingten Belastungen durch Maschinen und Baustellenfahrzeuge sind in jedem Fall zeitlich begrenzt und werden möglichst gering gehalten. Die Lärm- und Staubquellen werden analysiert und Maßnahmen auf der Baustelle festgelegt und umgesetzt, die die Belastungen in der Umgebung vermeiden oder verringern.

Die Auswirkungen von ESTRAL auf das Landschaftsbild werden ebenfalls geprüft. Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes werden wir durch Ausgleichsmaßnahmen, so weit möglich und zulässig, minimieren.

Welche Strahlenbelastung gibt es durch ESTRAL?

Beim Betrieb des ESTRAL gibt es keine Einträge radioaktiver Stoffe in den Boden oder in die angrenzenden Oberflächengewässer und ins Grundwasser. Die Emissionen in die Umgebungsluft und in den umgebenden Landschaftsraum sind so gering, dass sie in der Schwankungsbreite der natürlichen Strahlung in der Umgebung nicht erkennbar sind.

Eine Strahlenexposition der Bevölkerung durch Inkorporation, also durch Aufnahme der radioaktiven Stoffe in den menschlichen Körper, ist ausgeschlossen, weil die radioaktiven Stoffe sicher im Castor-Behälter eingeschlossen sind. Eine Strahlenexposition durch Direktstrahlung aus dem ESTRAL ist ebenfalls ausgeschlossen, weil die Strahlung, die vom Inventar der Castor-Behälter ausgeht, durch die Castor-Behälter selbst und das Lagergebäude abgeschirmt wird.

Nimmt EWN bei den Planungen Rücksicht auf die Bürger?

In den seit Dezember 2017 zahlreich geführten Gesprächen und Diskussionen mit den Bürgern und Vertretern der Gemeinden und des Landkreises haben sich einige Punkte als besonders bedeutsam herausgestellt. Diese Anregungen haben wir entweder bereits berücksichtigt und im Planungsprozess umgesetzt oder wir prüfen derzeit noch die Umsetzbarkeit im Rahmen der noch ausstehenden Planung.

Die Festlegung für den Standort ESTRAL wurde so getroffen, dass das Lager für Castor-Behälter nicht im Zentrum des bestehenden Gewerbe- und Industriegebiets Lubminer Heide errichtet wird, sondern – von der Hauptstraße nicht sichtbar – in die Nähe des ZLN. Das ZLN selbst muss noch bis in die 2060er Jahre für die leicht- und mittelradioaktiven Abfälle betrieben werden. ESTRAL und ZLN gehören zum sogenannten nuklearen Reststandort, der auf eine möglichst kleine zusammenhängende Fläche konzentriert werden soll.

Der Zufahrtsweg für die Bauphase und den späteren Betrieb ist so geplant worden, dass der ESTRAL-Standort ausschließlich von Westen entlang des alten EWN-Maschinenhauses angefahren wird. Eine Zufahrt von Osten her, die die nahe gelegene Gemeinde Spandowerhagen zusätzlich belasten würde, haben wir im Interesse der dortigen Anwohner verworfen.

Für die Sichtachse von Spandowerhagen auf das ESTRAL werden Maßnahmen geprüft, die den optischen Eindruck des Gebäudes minimieren oder nach Möglichkeit optisch kompensieren. Dazu gibt es derzeit verschiedene Überlegungen. Sobald eine Lösung umsetzbar ist, werden wir diese den Bürgern vorstellen und mit ihnen diskutieren.